Lauenburgische Heimat
[Alte Folge]

Zeitschrift des Heimatbundes Herzogtum Lauenburg e. V.
1930


Die ersten zu Lauenburg gebrauchten Briefmarken.

Von Dr. J. Paulsen, Kiel-Ellerbek.

II.

Nachdem wir die dänische Zeit verlassen haben, kommen wir zu den DEUTSCHEN MARKEN, DIE IN LAUENBURG GEBRAUCHT SIND. Der häufige Wechsel der politischen Verhältnisse in Schleswig-Holstein in den Jahren 1864 bis 1867 wird besonders sichtbar in den Marken; Lauenburg hat diese schleswig-holsteinischen Marken teils ebenfalls gebraucht, teils aber auch nicht. Deshalb müssen alle Marken hier besprochen werden.

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N
ach dem Tode des Königs Friedrich VII. proklamierte der neue König Christian IX. drei Tage nach seiner Thronbesteigung die Einverleibung Schleswigs in den dänischen Gesamtstsaat. Dieser Schritt führte zum Einmarsch der Bundestruppen in Holstein. Der Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein-Augustenburg wurde als Herzog von Schleswig-Holstein proklamiert, kam nach Kiel und blieb dort bis 1866, ohne jedoch faktisch die Regierungsgewalt auszüben.

Der Deutsche Bund richtete eine Zivilverwaltung ein, die in Kiel saß und auch schon· unter der dänischen Herrschaft dort gewesen war. Das Postwesen war dagegen direkt von Kopenhagen verwaltet worden, und so war nach Abbruch der Beziehungen zu Dänemark eine Postverwaltung überhaupt nicht mehr vorhanden.

Schon im Januar 1864 wurden daher neue Bestimmungen erlassen. In Hamburg und Lübeck bestanden noch die Dänischen Ober-Postämter, weil ja diese Freien Städte nicht mit Dänemark im Streit waren. Diese Postämter lieferten nun ruhig die dänischen Marken in Holstein und Lauenburg weiter für Rechnung der holsteinischen Regierung, "solange die Holsteinische Regierung nicht die Einführung eigner Marken beschließt." Die REGIERUNG VON LAUENBURG verzichtete auf eine eigene Postverwaltung und übertrug die Verwaltung des Postwesens Holstein "bis auf Weiteres". Mit dieser Maßnahme war aber "die Ritter- und Landschaft des Herzogtums Lauenburg" nicht einverstanden; im Namen der ersteren petitionierte das Landrats-Kollegium an die Regierung in Ratzeburg um Einrichtung einer besonderen Zentralverwaltung des Postwesens in Lauenburg. Die Bundeskommissare lehnten das Gesuch jedoch ab.

Rechtlich konnten die dänischeu Marken aus dem Grunde noch weiter gebraucht werden, weil der Deutsche Bund die Herzogtümer vorläufig nur in Verwaltung genommen hatte, ohne Dänemark das Recht schon jetzt völlig streitig zu machen. Erst als am 1. Februar 1864 preußische und österreichische Truppen in Schleswig einrückten, trat eine völlige Veränderung ein. Jetzt mußten NEUE MARKEN HERGESTELLT werden, die vom 1. März an in Holstein und Lauenburg ausgegeben wurden.

 



[Abbildung: Umgearbeitete, für den Gebrauch in den Herzogtümern
textlich veränderte dänische Briefmarke 1 1/4 Schilling Courant]
Die Schwarz-Weiß-Wiedergabequalität im Originaltext ist gering.
Deshalb wird keine Vergrößerung angeboten, statt dessen:


Als Zeichnung wurde einfach die der dänischen Marken genommen mit Änderung der Inschrift "KGL" in "HRZGL" und Ersetzung der dänischen Krone mit Schwertern im Mittelfelde durch die Wertbezeichnung in Courant. Die Marken wurden wieder von Köbner u. Co. in Altona in Steindruck hergestellt zu 100 Stück auf einem Bogen in 10 Reihen. Die Marke ist quadratisch 18 3/4 x 18 3/4 mm. Die Werteangabe "1 1/4 Schilling Crt." ist dreizeilig. Die Marke ist mit einem ursprünglich unsichtbaren Unterdruck versehen, der jetzt jedoch meistens zu erkennen ist und inmitten jeder Marke ein großes weißes P auf gewelltem, über den ganzen Bogen gedrucktem Grunde in mattgrauer Farbe zeigt.

Von dieser Marke wurde nur ein Wert in blau gedruckt. Das zeigt, daß die Regierung sie offenbar nur als Provisorium ansah. Von dieser Marke gibt es 3 Typen, die von 3 etwas verschiedenen Steinen gedruckt sind; die erste Type zeigt enge Wellenlinien und die Inschriften mit Punkten; die zweite weite Wellenlinien und ebenfalls die Inschriften mit Punkten; die dritte Type hat weite Wellenlinien ohne Punkte. Von der ersten und dritten Type sind vermutlich etwa 7-800 000 Stück gedruckt. Die zweite Type ist sehr selten; die Zahl wird auf nur 7500 geschätzt; warum davon so wenig gedruckt sind, ist nicht bekannt; wahrscheinlich ist der Stein bald beschädigt worden. Diese Type ist nur in Altona in den ersten Tagen des März ausgegeben worden und kommt deshalb gebraucht nur mit dem Stempel Altona vor. Die beiden andernTypen sind iin Holstein und Lauenburg bis zum 31. Oktober 1865 gültig gewesen, im Jahre 1865 auch in Schleswig, aber dort nur sehr selten noch verwendet.

Inzwischen war in Lauenburg ein POSTINSPEKTORAT IN RATZEBURG unter der oberen Leitung des Königlich Preußischen Postamtes gebildet. Im Dezember 1866 gingen dessen Geschäfte auf die Obere Postdirektion in Schleswig über. Die Lauenburgische Regierung beklagte sich nun, daß auf der holsteinischen


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Marke die Wertangabe nicht auch in Lauenburger Münze angegeben sei. Lauenburg hatte aber die Mecklenburger Währung: 1 Thaler = 48 Schilling. Diesem Verlangen wurde nachgegeben. In Holstein war mit dem 1. April 1864 die Rechnungsführung in schleswig-holsteinischer Courantwåhrung, statt bisher in dänischer Reichsmünze So konnte die dänische Wertbezeichnung ruhig fortfallen und an ihre Stelle die Lauenburgische treten.




[Abbildung: Neu gestaltete Briefmarke 1 1/4 Schilling Courant von 1864.]
Die Schwarz-Weiß-Wiedergabequalität im Originaltext ist gering.
Deshalb wird keine Vergrößerung angeboten, statt dessen zwei moderne Wiedergaben:

a) eine ungebrauchte Marke, grau-ultramarin:


 

b) ein mit vier 1 1/4 Schilling Courant-Briefmarken (= 4 Silbergroschen) korrekt frankierter
Brief von Glückstadt nach Dresden (Erste Gewichtsstufe):


 


Die NEUE MARKE erschien schon im Mai 1864. Sie war wieder quadratisch 20,5 mm, große Wertzahl "1 1/4", darunter im Bogen "SCHlLLlNG CRT." im Quadrat. Die Eichsenkrone fehlt; unten im Rahmen "1 1/2" [sic![ S. L. M. (=1 1/2 [sic![ Schilling Lauenburgische Münze). Die Marke ist wieder blau und zum ersten Male durchstochen. Der Druck von Köbner ist schlecht; auch hier findet man das große weiße P in Unterdruck. Die Gültigkeitsdauer für Holstein, Lauenburg und Schleswig ist wie bei der vorigen. Ihre Verbrauchszahl wird von Rosenkranz auf 1 1/2 Millionen geschätzt.



 


Ehe wir zu den nächsten Ausgaben übergehen-, müssen wir die HALBIERUNG DIESER MARKEN, vereinzelt auch der vorigen, erwähnen. Wie wir sahen, hatte Dänemark eine Stadtpostmarke zu 2 Sk.; das Porto betrug auch 1864 im Stadtverkehr 3/4 Schill. Cour.; es mußte also auf der Post entrichtet werden, da keine Marke für diesen Portosatz vorhanden war. Es bestand also ein Rückschritt gegenüber der dänischen Zeit. Auf Klagen aus den größeren Städten gestattete die Postverwaltung nun die Halbierung der Marke in Altona im Juni, in Kiel im September. In den andern Städten, jedenfalls in den Lauenburgischen Städten, ist die Halbierung nicht zulässig gewesen. Postalisch ist es jedenfalls merkwürdig, daß eine Postverwaltung für einen häufig gebrauchten Wert keine Marke hat, sondern offiziell die Halbierung der Marken vom Publikum ausführen läßt. Etwas ähnliches hatten Braunschweig und Mecklenburg-Schwerin vorgesehen, die ihre Marken teilweise so druckten, daß der Verbraucher sich das Porto in Vierteln nach Bedarf von der in 4 Quadraten gedruckten ganzen Marke abschneiden konnte.

 



[Abbildung: Herzgth. Schleswig 4 Schillinge, karminrot]

[Die Schwarz-Weiß-Wiedergabequalität im Originaltext ist gering.
Deshalb wird keine Vergrößerung angeboten, statt dessen:]


 

In den ersten Monaten des Jahres 1864 war nun ganz Schleswig von den siegreichen preußisch-österreichischen Truppen besetzt worden. Die Postverwaltung wurde neu geregelt; zunächst wurden auch dort die noch vorgefundenen dänischen Marken weiter gebraucht, aber schon am 10. März konnte eine Marke ausgegeben werden. Es erschien die Marke 4 Schillinge karminrot. Große Wertziffer weiß auf farbigem Grunde im Oval, umgeben von einem guillonierten Rahmen, der durch Doppellinien nach innen und außen abschließt. Im Rahmen in Blockschrift farbig auf weiß oben "HERZOGTH. SCHLESWIG", unten "SCHILLINGE", - Hochoval im hoch rechteckigen Markenfeld, durchstochen. Die Wertbezeichnung war noch in dänischer Reichsmünze.
 



[Abbildung: Herzogth. Schleswig 1 1/4 Schilling, grün]

[Die Schwarz-Weiß-Wiedergabequalität im Originaltext ist gering.
Deshalb wird keine Vergrößerung angeboten, statt dessen:
farbige Wiedergabe einer roten und einer grünen 1 1/4 Schilling-Marke]


 

Wie wir oben sahen, war vom 1. April an die Währung eine andere. Es wurde deshalb schon im April eine grüne Marke in genau der gleichen Ausführung wie die rote zu 1 1/4 Schilling Courant ausgegeben. 1 1/4 Schilling Courant entsprachen 4 Schilling dänischer Reichsmünze. Diese beiden Marken sind also in Wert und Verwendung gleich. Sie hatten bis zum 31. Oktober 1865 auch in Holstein und LAUENBURG Gültigkeit, sind aber dort nicht an der Post verkauft worden. Diese 4 Marken kann man als vorläufige betrachten. Im Frieden trat Dänemark die Herzogtümer ab; sie wurden von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet und das Postwesen beider vereinigt.

Deshalb wurde jetzt eine ganze, "endgültige", Reihe von Freimarken von Februar 1865 an ausgegeben, die den veränderten politischen Verhältnissen entsprechend die Inschrift "SCHLESWIG-HOLSTElN" haben mußte, aber sonst dem Muster der beiden Schleswiger Marken entsprachen und auch wie diese von der Preußischen Staatsdruckerei geliefert wurden. Es wurden ausgegeben: 1/2 Schilling rosa im Februar 1865


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1 1/4 Schilling grün im Juni, 1 1/3 Schilling lila im August, 2 Schilling blau im August, 4 Schilling braun im Sept. 1865. Die erste Marke in dieser Reihe war die gewünschte Stadtpostmarke, die auch für Drucksachen verwendet wurde, die zu 1 1/4 Schilling die gewöhnliche für den Landesverkehr. Der Wert zu 1 1/3 Schilling entsprach genau der preußischen Marke zu einem Silbergroschen. Sie wurde hauptsächlich für Briefe nach Deutschlang benutzt, die zu 2 Schilling nach Dänemark, die zu 4 Schilling für das Ausland und für Postanweisungen nach Preußen.

Alle diese Marken sind vom November 1866 bis Ende 1867 in Holstein und Schleswig noch einmal gültig gewesen, dagegen nicht zum zweiten Mal in Lauenburg, dass in den Jahren 1866 und 1867, wie wir sehen werden, preußische Briefmarken hatte. Von der Marke zu 4 Schilling sind vielleicht nur 40 000 Stück verbraucht worden, weil wenige Tage nach ihrem Erscheinen die "endgültige" Regelung der Postverhältnisse schon wieder ein Ende hatte.

Preußen und Österreich waren sich wieder uneinig geworden, und durch die Gasteiner Konvention übernahm von neuem Preußen die Verwaltung von Schleswig, Österreich die Holsteins. Das Schicksal Lauenburgs wurde endgültig entschieden. Österreich trat seine Rechte auf Lauenburg an den König von Preußen gegen eine Entschädigung von 2 500 000 Talern ab. Die Verwaltung wurde von der Königlich Preußischen, Herzoglich Lauenburgischen Regierung in Ratzeburg ausgeübt. Lauenburg blieb bis 1876 in Personalunion mit Preußen; am 1. Juli 1876 wurde es als Kreis Herzogtum Lauenburg ein Teil der Provinz Schleswig-Holstein.

Nun· müssen wir uns wieder mit den Marken Schleswigs und Holsteins beschäftigen. Man muß sie, wie schon mehrfach betont, kennen, wenn man wissen will, welche in Lauenburg ausgegeben, welche gebraucht, welche nicht gebraucht sind. Die Postverwaltung des Herzogtums Schleswig bestellt sofort neue Marken mit der Inschrift "HERZOGTH. SCHLESWIG" in den bisherigen Wertstufen, die von der Staatsdruckerei in Berlin geliefert wurden. Die Marken zu 1 1/4·Schilling und zu 4 Schilling wurden von den alten Stempeln der ersten Schleswiger Ausgabe gedruckt, für die übrigen neue Stempel angefertigt. Die Farben wurden teilweise der letzten Ausgabe angepaßt. Es erschienen am 1. November 1865 Marken zu 1/2 Schilling grün, 1 1/4 Schilling lila in vielen Abtönungen, 1 1/3 Schilling rosa, 2 Schilling ultramarin, 4 Schilling graubraun. Auch diese Marken waren durchstochen. Sie blieben in Gültigkeit bis Ende 1867 und hatten Gültigkeit in Holstein vom 1. November 1866 bis Ende 1867. In Lauenburg sind sie nie gebraucht worden.





[Abbildung: Schleswig-Holstein 1/2 Schilling]




[Abbildung: Herzogtm. Holstein 2 Schilling, blau]

Die Schwarz-Weiß-Wiedergabequalität im Originaltext ist gering.
Deshalb wird keine Vergrößerung angeboten, statt dessen:


 

Holstein gab natürlich seinerseits auch eigne Marken heraus, die am 1. November 1865 erschienen, wieder gedruckt von der Firma Köbner und Lehmkul. Sie entsprechen in der Zeichnung im wesentlichen der vorigen Ausgabe, sind aber leicht daran zu erkennen, daß die Wertziffer von einer Perlenreihe im Oval umgeben ist; sie sind nicht so sorgfältig gedruckt wie die von der Preußischen Staatsdruckerei. Es erschienien ·von dieser Reihe 1/2 Schilling grau, 1 1/4 Schilling lila, 2 Schilling blau. In der Zeichnung wie die "Schleswig-Holstein"-Marken, aber gröber gedruckt, wurden dazu ausgegeben 1 1/3 Schilling rosa, 4 Schilling hellbraun.

Warum diese Reihe in 2 verschiedenen Zeichnungen ausgeführt worden ist, ist nicht bekannt; vielleicht hat die Zeichnung der Marken mit Perleneinfassung nicht gefallen, denn nach Verbrauch dieser Marken bestellte die Regierung 1866 die Werte zu 1 1/4 und 2 Schilling in ähnlichem Muster wie die zu 1 1/3 und 4 Schilling. Es wurden daher noch ausgegeben 1 1/4 Schilling rotviolett im Februar und 2 Schilling blau im Juli 1866. Dies ist der einzige Fall, wo eine Veränderung aus äußerlichen und nicht aus politischen Gründen vorgenommen wurde. Diese Marken blieben bis Ende 1867 in Holstein in Gebrauch; von November 1866 bis Ende 1867 waren sie auch in Schleswig zulässig.

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Und nun müssen wir uns wieder mit LAUENBURG beschäftigen. Die Verwaltung des Postdienstes des Herzogtums Lauenburg war am 15. September 1865 vorläufig der Holsteinischen Landesregierung unterstellt worden. Die gemeinschaftlichen schleswig-holsteinischen Freimarken galten mithin weiter. Ob die beschriebenen Marken, die am 1. November 1865 herauskamen, noch in Lauenburg auf der Post ausgegeben sind, darüber ist etwas Sicheres nicht bekannt. Am 17. November wurde in RATZEBURG ein KÖNIGLICH PREUSZISCHES und HERZOGLICH LAUENBURGISCHES POSTINSPEKTORAT errichtet. Zugleich wurde die Ausgabe von eignen Lauenburgischen Marken für den 1. Januar 1866 in Aussicht gestellt! Dazu ist es nun freilich, man kann sagen, glücklicherweise, nicht gekommen, sondern von diesem Termin an wurde Lauenburg als Teil Preußens angesehen, und daher wurden in Lauenburg vom 1. Januar 1866 bis zum 31. Dezember nur PREUSZISCHE MARKEN gebraucht. Damit ist die postalische Verbindung mit Schleswig-Holstein zu Ende. Lauenburg war auf diesem Gebiete schon früher preußisch geworden als Schleswig-Holstein.

Wenig bekannt ist es, daß im Jahre 1867 die preußischen Marken infolge der Veränderung der politischen Lage auch in Schleswig-Holstein gültig waren; sie sind jedoch wenig gebraucht worden, weil an den Postanstalten die Restbestände der verschiedenen schleswig-holsteinischen Markenausgaben verkauft wurden, aber keine preußischen Marken.

Wir kommen nun zu den PREUSZISCHEN MARKEN, die in Lauenburg gebraucht worden sind.

 



[Abbildung: 3 preußische Briefmarken]

[Die Schwarz-Weiß-Wiedergabequalität im Originaltext ist gering.
Deshalb wird keine Vergrößerung angeboten, statt dessen:]


 

Es sind die bekannten Adlermarken. Die kleinen Werte 3, 4, 6 Pfennige in einem Muster ähnlich den letzten schleswig-holsteinischen Marken, mit dem Adler im Oval, aber von einem achteckigen Rahmen umgeben; in den weißen Ecken viermal die Ziffern 3, bezw. 4 und 6.

Die größeren Werte 1, 2, 3 Silbergroschen zeigen wie die schleswig-holsteinischen Marken im Oval mit dem preußischen Adler in der Mitte, im Rahmen oben "PREUSSEN", unten "ElN SILB. GR.", an beiden Seiten zwischen der oberen und unteren Inschrift die Ziffern 1, bezw. 2 und 3.

Dazu wurden im innern Postdienst zwei rechteckige Marken gebraucht zu 10 Sgr. bezw. 30 Sgr., auf die ich hier nicht näher eingehen will. Dazu kommen Couverts mit eingedruckter Marke in gleicher Zeichnung und gleichen Farben in den Werten zu 1, 2, 3 Silbergroschen.

Weder Dänemark noch Schleswig-Holstein haben Couverts ausgegeben, was in dieser Zeit die meisten altdeutschen Staaten taten. Die Farben der Marken sind 3 Pfg. violett, 4 Pfg. grün, 6 Pfg. orange, 1 Sgr. rosa, 2 Sgr. ultramarin, 3 Sgr. hellbraun, 10 Sgr. rosa, 30 Sgr. blau.

Mit dem 1. Januar 1868 vereinigten Preußen und die übrigen norddeutschen und mitteldeutschen Staaten ihre Posten zum "NORDDEUTSCHEN POSTBEZIRK". Dessen Nachfolger wurde nach dem Kriege 1870-71 die "Deutsche Reichspost". Mit dem 1. Januar 1868 können wir im Postwesen das Aufhören der altdeutschen Kleinstsaiatserei ansetzen; ein gewaltiger Schritt zur deutschen Einigung.

Es mögen nun noch einige Bemerkungen über die Lauenburgischen Marken im allgemeinen gegeben werden. Über die Nummernstempel in der

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dänischen Zeit sprachen wir schon. In der schleswig-holsteinischen Zeit wurden Namenstempel in verschiedener Ausführung gebraucht, ebenso natürlich unter Preußen. An diesen sind die in Lauenburg gebrauchten Marken leicht zu erkennen. Alle Schleswig-Holsteinischen Marken sind nicht selten, sie sind zu Hunderttausenden verbraucht worden. Eine Ausnahme macht nur, wie schon angegeben, die 4 Schilling-Marke braun Schleswig-Holstein. Sehr gesucht sind die Mecklenburger Marken mit einem Lauenburgischen Stempel. Über die Verbrauchszahlen im Herzogtum Lauenburg finde ich bei Rosenkranz interessante Zahlen.

1866 wurden verbraucht Preußen-Marken zu 1 Sgr. 93420 Stück
1866 wurden verbraucht Preußen-Marken zu 2 Sgr. 9735 Stück
1866 wurden verbraucht Preußen-Marken zu 3 Sgr. 5820 Stück
1866 wurden verbraucht Preußen-Couverte zu 1 Sgr. 23370 Stück
1866 wurden verbraucht Preußen-Couverte zu 1 Sgr. 2430 Stück
1866 wurden verbraucht Preußen-Couverte zu 1 Sgr. 1210 Stück

Von Marken für den innern Dienst wurden in Schleswig-Holstein 1867 verwendet
10 Sgr. 8002 Stück
30 Sgr. 1079 Stück


Aus diesen Zahlen geht hervor, daß einige der in Lauenburg gebrauchten Marken recht selten sein müssen. Es wird deshalb bei dem geringen Verbrauch des kleinen Landes doch recht schwierig sein, aus der großen Zahl der im Handel und in Sammlungen vorhandenen Marken nun grade solche mit Lauenburgischem Stempel herauszufinden. Vollends wird eine Sammlung von Briefen, die in Lauenburg auf die Post gegeben sind, sehr schwer zusammenzubringen sein, wenn sie alle Marken enthalten soll, die dort ausgegeben oder gültig gewesen sind. Eine Sammlung aber, die von allen Lauenburgischen Postämtern alle Werte enthält, dürfte meines Erachtens nicht erreichbar sein. Aber auch nur eine recht vollständige Sammlung zu erwerben, dürfte wohl bei keinem deutschen Lande für den Heimatforscher so reizvoll sein wie in Lauenburg.

 



 

 

 

 

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